Experiment und Konzept schließen sich nicht gegenseitig aus. Bei Sean Derrick Cooper Marquardt wird das bei seiner Idee der „Accidental Guitar“ deutlich: Das scheinbar Emotional-Spontane, das Intuitive, mitunter Wilde und Ungestüme – Charakteristika, die die Life-Performances des Berliner Musikers und Komponisten genauso prägen wie seine Aufnahmen – entstehen mitnichten „by accident“: also weder rein zufällig noch aus einer spontanen Laune heraus. „Accidental Guitar“ ist ein ganzheitliches und fundiertes Konzept, das drei wesentliche Dimensionen umfasst: Das Kreieren von Klängen und Klangwelten mithilfe der Verknüpfung von Gitarre und Verfremdungseffekten, eine Art „Routing-“ oder „Mapping“-Technik, in die sich der Musiker jedoch keineswegs verliert, sondern bewusst mit den Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung stehen, umzugehen weiß. Eine weitere

Dimension der „Accidental Guitar“ ist die Improvisation, für die sich Cooper Marquardt entschieden hat – konsequent lehnt er deshalb jegliche Form des Einstudierens und Planens oder festgelegte Choreografien ab, und dies nicht nur bei Life-Auftritten, sondern auch, wenn Aufnahmen in seinem Studio entstehen. Die dritte Dimension schließlich, die das Konzept formiert, ist die jeweilige Situation, in der er sich beim Spielen befindet: Atmosphäre und Setting, Personen, Bedingungen und Stimmungen im Raum führen zur Kontextualisierung seiner Musik.

 Das wohl durchdachte und gleichsam situative Konzept der „Accidental Guitar“ ermöglicht es Cooper Marquardt, im Experimentellen Bewusstheit über sein Tun zu bewahren. Diese Bewusstheit wird zum konstituierenden Element seiner Musik, sie erwächst aus „Accidents“, auf die der Musiker reagiert. Die Kette dieser Reaktionen schließlich formiert eine gewisse Logik – ohne dass diese den spontanen und freien Impetus seines Schaffens in Frage stellen würde.

Birgit Anna Schumacher, Autorin und Kuratorin

(basierend auf einem Gespräch mit Sean Derrick Cooper Marquardt im Februar 2011)